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Lerngefässe

Rituale

ca. 2 Min. Lesezeit

Beispieltext. Rituale geben dem Schultag einen Rhythmus. Sie markieren Anfänge und Übergänge, sie schaffen Zugehörigkeit und sie entlasten: Was immer gleich abläuft, muss nicht jedes Mal neu ausgehandelt werden. Dadurch bleibt Kraft für das, was nicht immer gleich ist.

Beispielbild – im echten Inhalt z. B. der Morgenkreis.

Der Morgenkreis

Jeder Tag beginnt bei uns im Kreis. Alle sitzen so, dass sie einander sehen können. Wir begrüssen uns mit Namen, schauen auf den Tag und klären, wer heute welche Aufgabe hat. Der Morgenkreis dauert selten länger als fünfzehn Minuten, aber er setzt den Ton für alles, was danach kommt.

Wichtig ist, dass der Kreis den Kindern gehört. Ab der zweiten Klasse leiten sie ihn abwechselnd selbst. Die Lehrperson sitzt im Kreis wie alle anderen und meldet sich, wenn sie etwas sagen möchte. Das ist am Anfang ungewohnt – für beide Seiten.

Beispielbild – im echten Inhalt z. B. ein Kind, das den Kreis leitet.

Übergänge gestalten

Die schwierigsten Momente im Schultag sind oft nicht die Lektionen, sondern die Übergänge dazwischen. Vom Spiel zur Arbeit, vom Draussen ins Drinnen, von der Gruppe zur Einzelarbeit. Ein kurzes, immer gleiches Signal hilft: ein Lied, ein Klang, drei Atemzüge. Die Kinder lernen schnell, was es bedeutet, und wir müssen nicht laut werden.

  • Klangschale: Wenn sie verklungen ist, sind alle bereit.
  • Aufräumlied: Wenn das Lied zu Ende ist, ist der Raum bereit.
  • Drei Atemzüge: vor jeder Einzelarbeit, gemeinsam.
Beispielbild – im echten Inhalt z. B. der Raum nach dem Aufräumlied.

Rituale im Jahreslauf

Neben den täglichen gibt es die grossen Rituale: der erste Schultag, das Herbstfeuer, die Adventsfenster, das Sommerfest. Sie verbinden die Schule mit dem Dorf und die Kinder mit denen, die vor ihnen hier zur Schule gegangen sind. Viele Eltern erinnern sich an dieselben Feste aus ihrer eigenen Schulzeit.

Ein Ritual ist eine Gewohnheit, der man Bedeutung gegeben hat.

Beispielbild – im echten Inhalt z. B. das Herbstfeuer.

Wenn Rituale leer werden

Rituale können erstarren. Wenn niemand mehr weiss, warum man etwas tut, und es nur noch abgespult wird, verliert es seine Kraft. Deshalb überprüfen wir unsere Rituale einmal im Jahr mit den Kindern: Was ist uns wichtig? Was können wir weglassen? Was fehlt?

Manchmal entsteht dabei ein neues Ritual. Das Abschiedslied für die sechste Klasse zum Beispiel stammt von Kindern, die fanden, dass ihr letzter Schultag zu schnell vorbei war. Heute singen es alle.

Fragen zur Reflexion

  • Welche Rituale gibt es in meiner Klasse – und welche davon haben die Kinder mitgestaltet?
  • Welcher Übergang im Tag ist bei uns am unruhigsten?
  • Welches Ritual würde ich vermissen, wenn es wegfiele?